Wie lange kommt man eigentlich ohne Schlaf aus?

Tag 3 also. 48 Stunden wach. Der Hals ist immer noch wie zugeschnürt. Die Augen knallrot. Vom Wachsein und Dauerheulen. Die Nacht habe ich genutzt, um auf seinem iPad und seinem Rechner alle Bilder von gemeinsamen Erlebnissen und den Katzen zu löschen. Wenn er mich schon Knall auf Fall aus seinem Leben radiert, dann doch bitte richtig. Sehen wir es einfach mal als gute Tat. Schließlich habe ich ihm Arbeit abgenommen, Zeit gespart.

Unvorsichtigerweise verlasse ich das Haus. Zeitgleich mit dem Vermieter, der mein neues Schloss besorgt. Zwischen Gang zum Büdchen und zurück liegen vielleicht zwei Minuten – da sehe ich sein Auto auf dem Parkplatz. Zeitgleich kommen wir vor der Haustür an. Kurzes Gerangel. Nachbarn kommen mir zur Hilfe. ER SOLL NICHT MEHR IN DIE WOHNUNG! Irgendwann füge ich mich trotzdem.

Liebe, Glaube, Hoffnung

Und wir reden. Ich tränenüberströmt. Frage, warum er zehn Jahre einfach in die Tonne tritt. Warum er nicht mit mir darüber geredet hat, was ihn an mir und der Beziehung stört. Flehe ihn an, uns noch eine Chance zu geben. Bin ein Häufchen Elend. Bitte, bettle. Voller Unverständnis. Voller Hoffnung. Voller Glauben, dass doch wieder alles gut wird, gut werden kann. Denn – so sagt er: Tief drin hat er noch Gefühle für mich, ich solle kämpfen, für mich sprechen die inneren Werte und die zehn Jahre, die Next liebt er zwar nicht, aber da ist etwas anderes. Wir umarmen uns – das fühlt sich so wunderbar vertraut an. Ach, menno …

Am Nachmittag versucht ein Freund, mich abzulenken. Das gelingt nur so mittelgut. Immer wieder wandern meine Gedanken zu ihm, der, als ich ging, schlafend auf der Couch lag. Am Abend reden wir noch mal. Und anscheinend habe ich mittags alles falsch verstanden. Also zurück auf „Schluss“, er will bis zu seinem Auszug eine WG. Wenn ich nur diese Gedankenachterbahn stoppen könnte …

Vom Reden zum Schreiben

Ich schreibe ihm eine Mail:

„Ich verstehe nicht, warum du mich jetzt so kaltherzig abservierst. Ich zumindest stehe immer noch zu meinen Worten, dass ich an der Beziehung arbeiten möchte – wenn von deiner Seite noch mehr Gefühle als bloße Erinnerungen da sind. XX und XX hatten nach elf Jahren Beziehung auch so eine Phase. Da sind beide für ein halbes Jahr auseinandergezogen und haben sich wieder zu Dates getroffen. Das Konzept finde ich ganz gut. Voraussetzung ist natürlich, dass beide die Arbeit an der Beziehung wollen. Ein Zweigleisigfahren geht dann wirklich nicht. Das nimmt uns beiden nur Kraft und Zeit. Und hilft auch nicht, neues Vertrauen aufzubauen. Dafür bin ich mir auch wirklich zu schade. Ich war in den zehn Jahren immer für dich da – und du für mich. Ich habe mich sicher und geborgen bei dir gefühlt. Wahrscheinlich erschreckt mich deine Kälte gerade deshalb umso mehr.“

Seine Antwort kommt prompt:

„Nun, ich bin nicht sonderlich stolz auf das, was ich gemacht habe. Niemand hat es verdient, betrogen zu werden. Was hier passiert, war nicht direkt deine Schuld. Das ist in mir passiert.“

Aus. Schluss. Vorbei. Neue Kräfte sammeln. Wenn es nur so einfach wäre. In der Nacht habe ich einen kompletten Zusammenbruch. Will nur noch weg. Am liebsten weit weg. Aber auf jeden Fall raus. Die Nacht verbringe ich an meinem See. Sitze auf einer Parkbank und starre aufs Wasser. Innerlich schreiend. Äußerlich stumm. 72 Stunden wach.

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