Blockaden und ein komisches Spiel nach unbekannten Regeln

Geschlafen: keine Minute. Getrunken: viel zu viel Kaffee. Und abends Wein, um den Schmerz zu betäuben. Geraucht: wie ein Schlot. Gegessen: nichts. Es mag komisch klingen, aber ich habe einfach keine Kraft zum Schlucken. Viel, viel zu anstrengend. Und trotzdem kann ich mich kaum aus dem Bad wegbewegen. Kotze mir im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Sinke danach erschöpft an den Wannenrand. Starre Löcher in die Luft. Zittere wie Espenlaub. Schließe mich in der Wohnung ein, stelle die Klingel ab, blockiere ihn auf allen Kanälen. Einfach nichts hören, nichts sehen. Nur trauern, weinen, im Leid suhlen.

Wütend auf ihn, mich, Gott und die Welt

Tigere immer mal wieder zwischen meinem und seinem Büro hin und her. Lese eine SMS von ihm an sie: „Doreen hat unsere Gespräche gelesen und mich zum Teufel gejagt. Ich soll bei dir schlafen.“ Ihre Antwort: „Krass.“ Lese, was er und sein Freund schreiben (wieso komme ich da eigentlich noch ran?) – und kriege die Nachrichten weitergeleitet. Eine Tasche mit Klamotten und Rasierzeug packen? Klar, kriege ich hin. In den Keller soll ich alles stellen? Öhm, ja, kann ich machen.

Wie in Trance werfe ich tatsächlich alles Mögliche in die große Reisetasche. Wuchte sie die Treppe runter. Werde wach und bleibe vor der Wohnungstür wie angewurzelt stehen. Bitte, was tue ich da? Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein? Ich werde richtig, richtig wütend. Auf die Situation, auf ihn, auf mich, auf Gott und die Welt. Nein, so lasse ich mich nicht behandeln! Ich bin mehr wert als das! Soll er doch sehen, wie er an seine Sachen kommt! Und wenn er mich nach zehn Jahren nicht mal eines klärenden Gesprächs als würdig erachtet: Warum soll ich noch dafür sorgen, dass er was zum Anziehen hat?

Heute eskaliere ich mal richtig …

Lese, was sein Freund mir schreibt. Erst gibt es angeblich keine Neue, dann ist von ein bisschen Geflirte die Rede. (Echt ungünstig, dass das Chat-Protokoll eine ziemlich deutliche andere Sprache spricht.) Und er hätte sich in einer Pension einquartiert, weil er eine Eskalation befürchtet. Hallo, soll ich Verständnis für sein Fremdgehen heucheln und ihn in Wattebäuschchen packen???

Abends rede ich mit den Vermietern. Seinen Teil der Wohnung soll er kündigen, wegen der Härtefallsituation käme er sofort aus dem Mietvertrag raus. Am nächsten Tag soll das Wohnungsschloss gewechselt werden. Puh, ein wenig Erleichterung macht sich breit. Die nur kurz anhält, denn ein Freund erzählt mir, dass er seinen Facebook-Status schon auf „Single“ gestellt und alle Fotos mit mir gelöscht hat – weggeworfen, ausradiert, zerstört. Einfach so. Mal eben. Von einem Tag auf den anderen. Ist das noch normal?

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