Die Bombe platzt und legt (m)eine kleine heile Welt in Trümmer

Donnerstag, 12. Juli 2018. Irgendwann zwischen 8 und 9 Uhr. Ich zupfe dem Liebsten ein paar graue Brusthaare raus. Wie sieht es schließlich aus, wenn die aus dem T-Shirt-Ausschnitt rausgucken? Immer noch Donnerstag, viele Stunden später. Ein Buch ist fertig lektoriert – und an den Verlag geschickt. Das nächste Projekt wartet. Ich mache mir schnell einen Salat, leite eine Mail an den Liebsten weiter, um PDFs auszudrucken, wecke dessen Rechner aus seinem Schlaf, warte ein bisschen, nehme das aufgerufene WhatsApp-Fenster wahr und bleibe bei den Worten hängen: „krankgeschrieben und vögele mit dem Chef“. Moment mal …

Wenn Lesen zum Autounfall wird

Und dann ist es wie bei einem Autounfall: Ich fange an zu lesen, bin geschockt, rufe eine Freundin an. Während sie auf mich einredet, nicht weiterzulesen, bin ich im Unfallmodus. Ich will nicht hingucken, nicht lesen. Mache es aber doch. Scrolle weiter. Und weiter. Und weiter. Heule. Telefoniere. Beantworte Fragen – irgendwie. Scrolle. Lese. Bin fassungslos. Will IHM das sagen. Und habe die mahnende Stimme meiner Freundin im Ohr. Die trotzdem längst zu einem Rauschen geworden ist. Mahnend? Ja. Einhalt gebietend? Ja. Verstehe ich ihre Worte? Nein!

Entsetzt schreibe ich eine Facebook-Nachricht. An ihn. „Ich lese gerade deine Nachrichten mit N und bin einfach nur FASSUNGSLOS!!! Du Arschloch. Bleib am besten heute Abend gleich bei ihr, hier ist Schicht im Schacht.“

Lese danach weiter. Moment mal? Er hat SIE mit MEINEM neuen Auto zum Date abgeholt? WTF? Die Gespräche mit Freundinnen sind nur Grundrauschen. Geschockt tingele ich zwischen seinem und meinem Büro hin und her. Will weiterlesen … Und doch auch nicht … Nächste Message abgesetzt … Irgendwann sehe ich, dass er online war. Und garantiert meine Nachrichten gelesen hat. Reaktion? Keine. Nix. Nullkommanull. Spreche ihm auf die Mailbox, dass er nach Hause kommen und mit mir reden möge. Wieder nix.

Nicht reden war schon immer seine liebste Lösung

Seine Antwort kurz nach Feierabend per Messenger: „Ok. So sollte das eigentlich nicht enden. Schonender für dich. Ich könnte nun auch auch auf Vertrauensbruch zurückschreiben. Ich will aber nicht mit dir streiten.“ Und als Nächstes: „Ich komme später heim und werde mich verziehen. Ich weiß nicht, ob wir ein Wort wechseln werden. Wohl aber nicht. Wenn du mich beschimpfen wirst bitte nicht.“

Das Schlimmste: mehr nicht. Ach, stimmt so auch nicht … Ein paar Nachrichten fliegen über den Messenger hin und her. Gefühle wären tief in ihm drin noch da, sicher ließe sich was retten, Dinge wären verschlissen, aber die ließen sich ja ausbessern, Vertrauen kam zur Sprache. Dass ICH IHM ja nicht mehr vertraue, keinen Rat annehme (Wie soll man einem Fremdgeher und Betrüger auch vertrauen? Denkt er echt so verquer?). Irgendwann wird das Geplänkel beendet durch: „Bitte leg mir mein Bettzeug nach unten. Ich werde im Wohnzimmer schlafen. Wann ich gleich heim komme, weiß ich noch nicht. Vielleicht schläfst du dann schon. Morgen früh könnten wir frühstücken und drüber reden wenn du magst.“ Auf meinen Kommentar „Als ob ich schlafen könnte … Wann bist du eigentlich so herzlos geworden? Bitte fahr zu ihr und schlafe da“, reagiert er nur mit: „Gerade ist mir schlecht und ich bin ziemlich fertig im Kopf.“

Nee, ist klar. Mir geht es so blendend, dass ich ins Bett gehe und schlafe, als ob nie was gewesen wäre. Als ob nicht MEINE WELT gerade in Trümmern liegt. Als ob ich nicht gerade ein paar Tage zuvor zu einer Freundin gesagt hätte: „Meinen Freund würde ich nie betrügen. Ich liebe ihn abgöttisch.“

Finger weg von falschen Freunden

Irgendwann setze ich mehrere Notrufe ab. Sage meiner Mutter den Geburtstagswochenendbesuch ab. Lasse mich auf Facebook trösten und mir Mut zusprechen. Frage seinen „besten Freund“, ob er das von der Neuen wüsste. Genau dem Freund, der vor nicht allzu langer Zeit selbst betrogen wurde. Der heulend hier auf der Couch saß – und mit mir gesprochen hat. Nicht mit ihm. Für den ich mit seiner jetzigen Exfrau geredet habe, um die Lage zu sondieren. Der mir ewig lange Chatprotokolle seiner Ex schickte und sich virtuell und real darüber ausheulte. Bei mir. Nicht bei ihm. Antwort erst mal: „Nein.“ Dass er für mich kein Freund ist, sollte ich am nächsten Tag spüren: Hier so, dort so reden und schreiben, mich aushorchen wollen – ähm, nein. Und tschüss …

Der Salat steht immer noch da. An Essen ist nicht zu denken. An Schlaf auch nicht. Er kommt nicht heim.

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