Der 12. Juli …

Innerhalb von wenigen Stunden werden rosa Rosen plötzlich weiß. Pure Magie!

… ist der 193. Tag des Jahres in der 28. Kalenderwoche. Halbzeit ist vorbei, bis zum Jahresende bleiben nur noch 172 Tage. Man merkt es auch schon: Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte kühler. Selbst im Supersommer 2018. Guckt man in „große Kalender“, ist an dem Tag nie irgendwas richtig Weltbewegendes passiert, eher so Randnotizen in der Geschichte: 2003 wird Boris Becker, der Held meiner Jugend, in die „Tennis Hall of Fame“ in Newport aufgenommen. Thor Heyerdahl erreicht 1970 mit einem Papyrus-Boot von Marokko aus Barbados, 1953 wird in Hamburg das Volksparkstadion und 1913 die Möhnetalsperre eingeweiht.

Auch mein privates Fiasko bleibt natürlich eine winzigwinzigkleine Randnotiz, bewegt nur mich (und die Freunde, mit denen ich regelmäßig auf die Suche nach Antworten gehe). Und trotzdem wird dieser Tag sicher lange Zeit eine Zäsur darstellen. Ich kann mir zwar nicht mal meine Handynummer merken, aber markante Erlebnisse wie diese brennen sich komplett in jede Gehirnwindung ein. Donnerstage würde ich künftig am liebsten sowieso streichen. Der Kopf zählt nämlich immer noch  mit. Ob ich will oder nicht. Übrigens: Sieben sind es heute.

Skrupellos, egoistisch, gefühlskalt?

Wenn ich an den Abend des 12. Juli 2018 denke, bleiben da zwei Bilder hängen: ich heulend, verzweifelt, am Boden zerstört. Er nach einer kurzen Besinnungspause am Rhein bei ihr. Vielleicht essen sie was, vielleicht reden sie über die Entdeckung und wie sie im Job damit umgehen, vielleicht ist es ihnen auch komplett egal. Fakt ist: Sie landen im Bett. Also nicht nebeneinander. (So viel dazu, dass er in eine Pension gegangen ist.)

Was geht in solchen Menschen eigentlich vor? Ich meine: in beiden. Wie skrupellos muss man sein? Wie egoistisch? Wie gefühlskalt? Wie herzlos? Bei ihm: Sollte man von Erwachsenen nicht einen anderen Schlussmachmodus erwarten? Gerade, wenn man jahrelang Tisch, Bett und gute Zeiten, aber auch Sorgen, Ängste, Nöte miteinander geteilt hat? Bei ihr: Eine Beziehung auf dem Unglück anderer aufbauen – gelingt das? Kann sie wirklich sein Fremdgehen ausblenden? Wie mag es ihr oder ihm gehen, wenn mal eben wieder warm gewechselt wird?

Wolfgang Krüger schreibt beispielsweise in seinem Buch „Das Geheimnis der Treue“, dass fast die Hälfte aller Fremdgeher Wiederholungstäter sind – wenn jemand einmal untreu geworden ist, sind die Chancen sehr hoch, dass er es wieder wird. Was dazukommt: Konfliktscheues Verhalten, die Fähigkeit zu Lügen, Heimlichkeiten und Illoyalität bleiben Teile einer Persönlichkeit.

Alles bleibt anders

Denn auch wenn man es eigentlich nicht wahrhaben will: Kein Mensch kann uns alles geben und uns in jeder Hinsicht glücklich machen. Also wird es immer wieder vorkommen, dass man einem anderen begegnet, der gewisse Dinge mitbringt, die beim Partner fehlen – und der dafür wiederum andere Schwachpunkte hat. Welche das sind und wie leicht oder schwer die zu ertragen sind, lässt sich in der ersten Verliebtheitsphase oft gar nicht richtig sagen. Ist das beiden bewusst? Momentan feiert sie auf Instagram jedenfalls diesen 12. Juli als den Beginn mit dem #bestboyfriend – ein neues Beziehungshaus gebaut auf Betrug und Lügen. Auf Sand. Dürfen’s weiße oder rosa Rosen dazu sein?

60 Dinge, die einfach nur guttun

Raus aus der ehemaligen Beziehungsroutine! Schreib dir deine To-do-Liste!

Der oder die andere ist weg. Morgens kein Weckerklingeln, während man selbst noch eine Runde durchs Traumland düsen könnte. Tagsüber keine lieblosen Nachrichten, was noch eingekauft oder später gekocht werden soll, welche Pakete zur Post gebracht werden müssen (ist das nach zig Jahren eigentlich Standard?). Abends dreht sich kein Schlüssel in der Wohnungstür, der sagt: „Ich bin da. Kümmere dich um mich!“ Weder Wunsch noch Pflicht oder Kür, den Tag nach jemand anderem auszurichten. 24 Stunden nur Me-Time. Gut, nicht ganz, denn arbeiten muss man ja trotzdem. Einkaufen. Die Wohnung in Schuss halten. Und wie bei mir: die Flauschis bepuscheln (die leider nachts um drei den größten Schmusebedarf haben). Aber wann wirklich was geschieht? Who cares! Und trotzdem: Auf 24 Stunden Me-Time zurückgeworfen zu werden, kostet einiges. Auf jeden Fall viel Kraft. Und jede Menge Selbstliebe. Die man oft auch erst wieder entdecken muss.

Nicht fragen – das kostet Zeit und Kraft

Die ersten Tage nach dem Aufdecken des Betrugs und der Trennung habe ich mich zu Hause mehr oder weniger eingeigelt (ein paar Draußen-sein-Ausreißer gab es, aber die haben meiner verletzten Seele nicht wirklich geholfen). Habe mich kreuz und quer durchs Netz gelesen. Kenne wahrscheinlich jedes Forum zu Trennungsschmerzen. Jede Seite zu Trennungsphasen, Bewältigungsstrategien und Liebeskummer. Alle Artikel über Übergangs- und Trostbeziehungen. Jeden Schnipsel, wie man wahlweise den Ex abhaken oder zurückgewinnen kann. Habe beim Lesen manchmal den Kopf geschüttelt. Manchmal genickt. Abhängig davon, in welchem Gemütszustand ich gerade war.

Aber hey, das ist total normal! Habe ich jedenfalls gelernt. Denn für eine Trennung zahlt man nun mal keine Vergnügungssteuer. Echt nicht. Das ist harte Arbeit. An sich. Mit sich. Oft gegen den Verlasser und – wie bei mir – gegen die Next. Die nimmt einem auch keine(r) ab. Egal, wie oft man mit Freundinnen und Freunden telefoniert. Egal, ob man sich ins Partygetümmel schmeißt. Oder direkt in eine neue Beziehung. Irgendwann trifft es einen. Dann kommen die dunklen Momente. Die Zweifel. Das Hinterfragen, wie man vorher alles hätte anders machen können (wobei „anders“ auch kompletter Bullshit ist, denn jeder ist, wie er ist; sein Verhalten zu ändern setzt Kraft, Willen und Durchhalten voraus; und „anders“ heißt irgendwie immer, dass man vorher nicht richtig war – auch falsch). Manchmal sogar der Wunsch, noch mal mit dem anderen zu reden. Da wird Zeit auf jeden Fall relativ. Aber bei allem Gefühlspingpong: (Ehrliche) Antworten auf die brennendsten Fragen kriegt man eh nicht. Und falls doch, zieht jede Antwort in der zigsten Gedankenschleife neue Fragen nach sich. Besser also, man fragt gar nicht mehr. Tut nicht gut, kostet nur unnötige Kraft und Zeit. Ehrlich!

To-do-Liste fürs eigene Wohl

In den unfassbaren Internetweiten bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Nicht in Woche 1 nach dem Super-GAU. Aber irgendwann zwischen Woche 2 und 3. Und die darin beschriebene Idee der 60 Dinge, die guttun: Bezaubernd! Arbeiten? Pah! Ich muss 60 Dinge aufschreiben! Das beste To do des Tages! „Be fucking creative!“ Muss ich nicht mal sein. Da ist so vieles, was ich endlich (wieder) tun möchte. So vieles, was ich wieder tun kann. Und manchmal sind es auch echt winzige Sachen, die ich einfach gelassen habe, weil er es nicht mochte. Die er zu anstrengend fand. Für die im gemeinsamen Alltag die Spontaneität fehlte. Oder überhaupt Spontaneität. Oder, oder, oder …

Meine Liste war jedenfalls schnell voll. Übervoll. Aber es sollten ja auch mindestens 60 Dinge sein. Und diese Liste arbeite ich gerade nach und nach ab. Spontan ans Meer fahren? Check! Sogar mit (bisher) zwei Häkchen in nicht mal sechs Wochen. Schminkberatung? Eine Wohltat! (Danke an meine weltbeste Nicole!) Das eigene Sortiment erweitern, damit endlich wieder mehr da ist als nur Wimperntusche und Kajalstift? Ich sag nur: Nicole und Bobbie Brown – ein Dream-Team. Zehennägel bunt lackieren, Lippenstift oder Lipgloss tragen? Her mit der Farbe! Weg von Boyfriend hin zu Skinny Jeans? Aber hallo! Nach zehn Jahren auch mal wieder Highheels statt nur Sneaker? Yes! Kontaktlinsen statt Brille? Da sieht die Welt doch gleich ganz anders aus! Mitten in der Woche tanzen gehen, statt vor der Glotze abzuhängen? Here I am! Abends essen gehen, obwohl Kühlschrank und Gefrierfach voll sind? Was für eine Frage! Einen ganzen Tag in der Therme abhängen? Mehr davon!

Eigene Wünsche zählen

Mein Plan: Für jeden abgehakten Punkt kommt ein anderer dazu. Denn mal ehrlich: Ist diese Welt nicht wunderbar? Groß, weit und einzigartig? Mit so vielen Gelegenheiten, Neues auszuprobieren, die eigene Komfortzone zu verlassen, sich aus seinem Trennungsloch rauszubuddeln? Schreib mal deine Liste – ganz egal, ob du in einer Beziehung bist oder nicht. Falls ja, hilft sie dir vielleicht, deine Wünsche in der Beziehung klarer zu formulieren und sie wirklich zu leben. Falls nicht, hast du einen Leitfaden, was du dir wünschst, was dir guttut. Und jedes einzelne Häkchen macht dich glücklicher und zufriedener. Versprochen!

Der finale Auszugstag – oder: Was ist an „final“ eigentlich nicht zu verstehen?

Der Plan für heute lautet: bis in die Puppen schlafen, dann gemütlich frühstücken. Klappt nicht so ganz. Denn heute ist D-Day. Oder eher A-Day. Also Auszugstag. Und prompt: Die Uhr zeigt knapp nach 11, da kommen die ersten Wasserstandsmeldungen aus Düsseldorf. Er will das und jenes nicht mitnehmen, es wäre anders abgesprochen, hick, hack, hin, her … Klare Ansage von mir: Mitnehmen, den ganzen alten Scheiß! Denn was, bitte, soll ich damit? Und abgesprochen war ohnehin nichts.

Zur Erinnerung: Er hatte mir vor ein paar Wochen in einer Mail seine Überlegungen hingerotzt, wie wir den Hausstand aufteilen: sein Büro und den Wohnzimmerfernseher – übrigens ein Geschenk meiner Mutter – für ihn, ich den ganzen Rest. Er wolle mir nichts rausreißen, hätte mir ja genug wehgetan, blablabla … Auf die Idee, mal nachzufragen, ob ich mit seinem Vorschlag einverstanden bin, ist er natürlich nicht gekommen. Darauf, dass ich die alten gemeinsamen Möbel auch ersetzen möchte, mal gleich gar nicht.

Auszugstag – warum schön, wenn es auch unschön geht

Versuch eines Telefonats, wo er nach ein paar Sekunden auflegt. Klar. Konfliktfähig war er noch nie. Einfach gehen oder schweigen oder schmollen – das waren schon immer seine Paradedisziplinen. Jetzt also: wegdrücken. Aus die Maus. Sein Wille geschehe …

11 bis 14 Uhr – dieses Zeitfenster hatte er zur Verfügung. Haben er und seine Helferlein auch geschafft. Zumindest zeitlich. Und natürlich ausschließlich nach seinen Vorstellungen. Denn als ich nach Hause komme, zeigt der Gang durch meine Wohnung: Von meiner Mitnahmeliste ist nur der Punkt „Büro“ abgehakt. (Und dafür brauchen vier Leute drei Stunden? Öhm …) Pax noch da, Kommode noch da, Regalmüll unterm Bett noch da, altes Technikgedöns überall, vertrocknete Pflanzen in hässlichen Terrakotta-Töpfen und sein Bierkasten auf dem Balkon, Couch samt Kissen ebenfalls. Im Keller zig Kisten mit Büchern, Dias und Weihnachtskugeln seiner Eltern (sic!), Koffer und anderes Gedöns. Kurz: Alles, was er nicht mehr wollte, gammelt hier noch rum. Das Beste: Er meint allen Ernstes, mir mit dem abgerockten Kram einen Gefallen zu tun, mir was zu „schenken“ … O-Ton: „Ich lasse dir alles da und du reagierst so. Wenn du das Sofa und die Techniksachen nicht willst, verschenke sie.“ HÄ???

Nur mal so zum Mit-drüber-Nachdenken

Er betrügt mich, wird von mir rausgeschmissen – und ICH soll mich für MEINEN Neustart über diese „Geschenke“ freuen? ICH soll mich darum kümmern, dass sein ganzes Gelump die Wohnung und den Keller verlässt? Gedankenendlosschleife: Was stimmt denn mit dem nicht? Ein paar Stunden später feiert er sich und sein #newlife auf Instagram. Hashtaggt was von #umzugschaos. Nee, das Chaos habe ICH. Eben weil sein ganzer Kram hier noch rumsteht. Muuuuuaaaaah!!! Jetzt geht’s halt doch nur mit Anwalt. Damit er endlich seinen Teil der Wohnung kündigt (ist natürlich immer noch nicht geschehen) und WIRKLICH final seine Möbel abholt.

Der Tag vorm Auszug – und die WTF-Momente von „trotzdem“

So blöd kann doch kein Mann sein ...

Ich tobe durch die Wohnung, schmeiße seine letzten Habseligkeiten auf den Esstischberg, schreibe seine Mitnahmeliste. Dabei rette ich ein paar Sachen, die für mich NOCH wichtig sind. Beispielsweise das Fotobuch, das ich ihm im ersten Jahr zu Weihnachten gestaltet habe. Titel: „Das Beste“. (Sorry, Silbermond, ich wusste es damals nicht besser …) Ein Bild, das ich ihm mal geschenkt habe. Die Pässe der Wuschel. Und irgendwann fällt mir ein schwarzes Buch in die Hand … Ach, guck, er hatte auch mal Liebeskummer. Hat sich vor 20 Jahren als Kerl die Seele aus dem Leib geschrieben. Von seiner Traumfrau fantasiert. Nicht gepflegte Freundschaften beklagt.

Ich schicke ihm eine Update-Nachricht zu seinem Auszug, bringe Schlüssel und Übergabeliste weg. Er antwortet irgendwann, ich solle ihm ein Foto der Liste schicken. Bitte, danke. WTF? Gelesen, weggeklickt. Ein paar Stunden später die nächste Nachricht: „Wenn du da bist, wünsche ich dir (trotzdem) viel Spaß bei Fury auf der Loreley. Morgen wirst du denke ich mal nicht dabei sein!?“ Und wieder: WTF? Gelesen, mit Freundin den Kopf geschüttelt, gedacht „Was stimmt mit dem eigentlich nicht?“, Achseln gezuckt, weggeklickt, Krönchen gerichtet, weitergefeiert.

Selbstüberschätzung wird überschätzt

Mal ehrlich: Woran liegt es, dass sich Männer so unglaublich selbst überschätzen? Ich meine: Sein Fremdgehen ist vor mehr als fünf Wochen aufgeflogen. Alles, was er sich danach geleistet hat, hat nicht gerade zum Entspannen und Beruhigen der Situation beigetragen. Natürlich kann ich mir auch nach dieser Zeit schönere Situationen in meinem Leben vorstellen, als betrogen zu werden. Aber DIE Rolle, die er sich selbst zuschreibt, spielt er einfach nicht mehr. Die Bindungshormone sind längst abgebaut, Vermissensgefühle sind auch nicht mehr da. „(Trotzdem.)“ Meine Güte! Was soll das überhaupt heißen? Trotz seines Betrugs? Trotz der Trennung? Weil er – oooooooh! – nicht dabei ist? Weil er morgen endlich komplett auszieht?

Aus Trotzdem wird Weil

Nur zwei Wochen zuvor hätte ich dieses kleine Wort tatsächlich von allen Seiten betrachtet, auseinandergenommen, neu zusammengesetzt, mit zig Gedanken und Interpretationen gefüllt. Mit Freundinnen bis ins letzte Detail jede Bedeutungsebene diskutiert. Jetzt denke ich nach einem kurzen WTF-Moment wieder nur: „Was stimmt mit dem denn nicht? Warum lässt er mich nicht endlich in Ruhe?“ Und plötzlich weiß und spüre ich es: Ich habe Spaß, WEIL er nicht dabei ist. WEIL ich da mit einer guten Freundin bin und Tränen lache. WEIL ich andere kennenlerne. WEIL die Stimmung einfach perfekt ist, kein Ziepen im Bauch und im Herzen. Alles ist gut, wie es ist. Won’t forget this day! <3