Der 12. Juli …

Innerhalb von wenigen Stunden werden rosa Rosen plötzlich weiß. Pure Magie!

… ist der 193. Tag des Jahres in der 28. Kalenderwoche. Halbzeit ist vorbei, bis zum Jahresende bleiben nur noch 172 Tage. Man merkt es auch schon: Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte kühler. Selbst im Supersommer 2018. Guckt man in „große Kalender“, ist an dem Tag nie irgendwas richtig Weltbewegendes passiert, eher so Randnotizen in der Geschichte: 2003 wird Boris Becker, der Held meiner Jugend, in die „Tennis Hall of Fame“ in Newport aufgenommen. Thor Heyerdahl erreicht 1970 mit einem Papyrus-Boot von Marokko aus Barbados, 1953 wird in Hamburg das Volksparkstadion und 1913 die Möhnetalsperre eingeweiht.

Auch mein privates Fiasko bleibt natürlich eine winzigwinzigkleine Randnotiz, bewegt nur mich (und die Freunde, mit denen ich regelmäßig auf die Suche nach Antworten gehe). Und trotzdem wird dieser Tag sicher lange Zeit eine Zäsur darstellen. Ich kann mir zwar nicht mal meine Handynummer merken, aber markante Erlebnisse wie diese brennen sich komplett in jede Gehirnwindung ein. Donnerstage würde ich künftig am liebsten sowieso streichen. Der Kopf zählt nämlich immer noch  mit. Ob ich will oder nicht. Übrigens: Sieben sind es heute.

Skrupellos, egoistisch, gefühlskalt?

Wenn ich an den Abend des 12. Juli 2018 denke, bleiben da zwei Bilder hängen: ich heulend, verzweifelt, am Boden zerstört. Er nach einer kurzen Besinnungspause am Rhein bei ihr. Vielleicht essen sie was, vielleicht reden sie über die Entdeckung und wie sie im Job damit umgehen, vielleicht ist es ihnen auch komplett egal. Fakt ist: Sie landen im Bett. Also nicht nebeneinander. (So viel dazu, dass er in eine Pension gegangen ist.)

Was geht in solchen Menschen eigentlich vor? Ich meine: in beiden. Wie skrupellos muss man sein? Wie egoistisch? Wie gefühlskalt? Wie herzlos? Bei ihm: Sollte man von Erwachsenen nicht einen anderen Schlussmachmodus erwarten? Gerade, wenn man jahrelang Tisch, Bett und gute Zeiten, aber auch Sorgen, Ängste, Nöte miteinander geteilt hat? Bei ihr: Eine Beziehung auf dem Unglück anderer aufbauen – gelingt das? Kann sie wirklich sein Fremdgehen ausblenden? Wie mag es ihr oder ihm gehen, wenn mal eben wieder warm gewechselt wird?

Wolfgang Krüger schreibt beispielsweise in seinem Buch „Das Geheimnis der Treue“, dass fast die Hälfte aller Fremdgeher Wiederholungstäter sind – wenn jemand einmal untreu geworden ist, sind die Chancen sehr hoch, dass er es wieder wird. Was dazukommt: Konfliktscheues Verhalten, die Fähigkeit zu Lügen, Heimlichkeiten und Illoyalität bleiben Teile einer Persönlichkeit.

Alles bleibt anders

Denn auch wenn man es eigentlich nicht wahrhaben will: Kein Mensch kann uns alles geben und uns in jeder Hinsicht glücklich machen. Also wird es immer wieder vorkommen, dass man einem anderen begegnet, der gewisse Dinge mitbringt, die beim Partner fehlen – und der dafür wiederum andere Schwachpunkte hat. Welche das sind und wie leicht oder schwer die zu ertragen sind, lässt sich in der ersten Verliebtheitsphase oft gar nicht richtig sagen. Ist das beiden bewusst? Momentan feiert sie auf Instagram jedenfalls diesen 12. Juli als den Beginn mit dem #bestboyfriend – ein neues Beziehungshaus gebaut auf Betrug und Lügen. Auf Sand. Dürfen’s weiße oder rosa Rosen dazu sein?

60 Dinge, die einfach nur guttun

Raus aus der ehemaligen Beziehungsroutine! Schreib dir deine To-do-Liste!

Der oder die andere ist weg. Morgens kein Weckerklingeln, während man selbst noch eine Runde durchs Traumland düsen könnte. Tagsüber keine lieblosen Nachrichten, was noch eingekauft oder später gekocht werden soll, welche Pakete zur Post gebracht werden müssen (ist das nach zig Jahren eigentlich Standard?). Abends dreht sich kein Schlüssel in der Wohnungstür, der sagt: „Ich bin da. Kümmere dich um mich!“ Weder Wunsch noch Pflicht oder Kür, den Tag nach jemand anderem auszurichten. 24 Stunden nur Me-Time. Gut, nicht ganz, denn arbeiten muss man ja trotzdem. Einkaufen. Die Wohnung in Schuss halten. Und wie bei mir: die Flauschis bepuscheln (die leider nachts um drei den größten Schmusebedarf haben). Aber wann wirklich was geschieht? Who cares! Und trotzdem: Auf 24 Stunden Me-Time zurückgeworfen zu werden, kostet einiges. Auf jeden Fall viel Kraft. Und jede Menge Selbstliebe. Die man oft auch erst wieder entdecken muss.

Nicht fragen – das kostet Zeit und Kraft

Die ersten Tage nach dem Aufdecken des Betrugs und der Trennung habe ich mich zu Hause mehr oder weniger eingeigelt (ein paar Draußen-sein-Ausreißer gab es, aber die haben meiner verletzten Seele nicht wirklich geholfen). Habe mich kreuz und quer durchs Netz gelesen. Kenne wahrscheinlich jedes Forum zu Trennungsschmerzen. Jede Seite zu Trennungsphasen, Bewältigungsstrategien und Liebeskummer. Alle Artikel über Übergangs- und Trostbeziehungen. Jeden Schnipsel, wie man wahlweise den Ex abhaken oder zurückgewinnen kann. Habe beim Lesen manchmal den Kopf geschüttelt. Manchmal genickt. Abhängig davon, in welchem Gemütszustand ich gerade war.

Aber hey, das ist total normal! Habe ich jedenfalls gelernt. Denn für eine Trennung zahlt man nun mal keine Vergnügungssteuer. Echt nicht. Das ist harte Arbeit. An sich. Mit sich. Oft gegen den Verlasser und – wie bei mir – gegen die Next. Die nimmt einem auch keine(r) ab. Egal, wie oft man mit Freundinnen und Freunden telefoniert. Egal, ob man sich ins Partygetümmel schmeißt. Oder direkt in eine neue Beziehung. Irgendwann trifft es einen. Dann kommen die dunklen Momente. Die Zweifel. Das Hinterfragen, wie man vorher alles hätte anders machen können (wobei „anders“ auch kompletter Bullshit ist, denn jeder ist, wie er ist; sein Verhalten zu ändern setzt Kraft, Willen und Durchhalten voraus; und „anders“ heißt irgendwie immer, dass man vorher nicht richtig war – auch falsch). Manchmal sogar der Wunsch, noch mal mit dem anderen zu reden. Da wird Zeit auf jeden Fall relativ. Aber bei allem Gefühlspingpong: (Ehrliche) Antworten auf die brennendsten Fragen kriegt man eh nicht. Und falls doch, zieht jede Antwort in der zigsten Gedankenschleife neue Fragen nach sich. Besser also, man fragt gar nicht mehr. Tut nicht gut, kostet nur unnötige Kraft und Zeit. Ehrlich!

To-do-Liste fürs eigene Wohl

In den unfassbaren Internetweiten bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Nicht in Woche 1 nach dem Super-GAU. Aber irgendwann zwischen Woche 2 und 3. Und die darin beschriebene Idee der 60 Dinge, die guttun: Bezaubernd! Arbeiten? Pah! Ich muss 60 Dinge aufschreiben! Das beste To do des Tages! „Be fucking creative!“ Muss ich nicht mal sein. Da ist so vieles, was ich endlich (wieder) tun möchte. So vieles, was ich wieder tun kann. Und manchmal sind es auch echt winzige Sachen, die ich einfach gelassen habe, weil er es nicht mochte. Die er zu anstrengend fand. Für die im gemeinsamen Alltag die Spontaneität fehlte. Oder überhaupt Spontaneität. Oder, oder, oder …

Meine Liste war jedenfalls schnell voll. Übervoll. Aber es sollten ja auch mindestens 60 Dinge sein. Und diese Liste arbeite ich gerade nach und nach ab. Spontan ans Meer fahren? Check! Sogar mit (bisher) zwei Häkchen in nicht mal sechs Wochen. Schminkberatung? Eine Wohltat! (Danke an meine weltbeste Nicole!) Das eigene Sortiment erweitern, damit endlich wieder mehr da ist als nur Wimperntusche und Kajalstift? Ich sag nur: Nicole und Bobbie Brown – ein Dream-Team. Zehennägel bunt lackieren, Lippenstift oder Lipgloss tragen? Her mit der Farbe! Weg von Boyfriend hin zu Skinny Jeans? Aber hallo! Nach zehn Jahren auch mal wieder Highheels statt nur Sneaker? Yes! Kontaktlinsen statt Brille? Da sieht die Welt doch gleich ganz anders aus! Mitten in der Woche tanzen gehen, statt vor der Glotze abzuhängen? Here I am! Abends essen gehen, obwohl Kühlschrank und Gefrierfach voll sind? Was für eine Frage! Einen ganzen Tag in der Therme abhängen? Mehr davon!

Eigene Wünsche zählen

Mein Plan: Für jeden abgehakten Punkt kommt ein anderer dazu. Denn mal ehrlich: Ist diese Welt nicht wunderbar? Groß, weit und einzigartig? Mit so vielen Gelegenheiten, Neues auszuprobieren, die eigene Komfortzone zu verlassen, sich aus seinem Trennungsloch rauszubuddeln? Schreib mal deine Liste – ganz egal, ob du in einer Beziehung bist oder nicht. Falls ja, hilft sie dir vielleicht, deine Wünsche in der Beziehung klarer zu formulieren und sie wirklich zu leben. Falls nicht, hast du einen Leitfaden, was du dir wünschst, was dir guttut. Und jedes einzelne Häkchen macht dich glücklicher und zufriedener. Versprochen!

Der finale Auszugstag – oder: Was ist an „final“ eigentlich nicht zu verstehen?

Der Plan für heute lautet: bis in die Puppen schlafen, dann gemütlich frühstücken. Klappt nicht so ganz. Denn heute ist D-Day. Oder eher A-Day. Also Auszugstag. Und prompt: Die Uhr zeigt knapp nach 11, da kommen die ersten Wasserstandsmeldungen aus Düsseldorf. Er will das und jenes nicht mitnehmen, es wäre anders abgesprochen, hick, hack, hin, her … Klare Ansage von mir: Mitnehmen, den ganzen alten Scheiß! Denn was, bitte, soll ich damit? Und abgesprochen war ohnehin nichts.

Zur Erinnerung: Er hatte mir vor ein paar Wochen in einer Mail seine Überlegungen hingerotzt, wie wir den Hausstand aufteilen: sein Büro und den Wohnzimmerfernseher – übrigens ein Geschenk meiner Mutter – für ihn, ich den ganzen Rest. Er wolle mir nichts rausreißen, hätte mir ja genug wehgetan, blablabla … Auf die Idee, mal nachzufragen, ob ich mit seinem Vorschlag einverstanden bin, ist er natürlich nicht gekommen. Darauf, dass ich die alten gemeinsamen Möbel auch ersetzen möchte, mal gleich gar nicht.

Auszugstag – warum schön, wenn es auch unschön geht

Versuch eines Telefonats, wo er nach ein paar Sekunden auflegt. Klar. Konfliktfähig war er noch nie. Einfach gehen oder schweigen oder schmollen – das waren schon immer seine Paradedisziplinen. Jetzt also: wegdrücken. Aus die Maus. Sein Wille geschehe …

11 bis 14 Uhr – dieses Zeitfenster hatte er zur Verfügung. Haben er und seine Helferlein auch geschafft. Zumindest zeitlich. Und natürlich ausschließlich nach seinen Vorstellungen. Denn als ich nach Hause komme, zeigt der Gang durch meine Wohnung: Von meiner Mitnahmeliste ist nur der Punkt „Büro“ abgehakt. (Und dafür brauchen vier Leute drei Stunden? Öhm …) Pax noch da, Kommode noch da, Regalmüll unterm Bett noch da, altes Technikgedöns überall, vertrocknete Pflanzen in hässlichen Terrakotta-Töpfen und sein Bierkasten auf dem Balkon, Couch samt Kissen ebenfalls. Im Keller zig Kisten mit Büchern, Dias und Weihnachtskugeln seiner Eltern (sic!), Koffer und anderes Gedöns. Kurz: Alles, was er nicht mehr wollte, gammelt hier noch rum. Das Beste: Er meint allen Ernstes, mir mit dem abgerockten Kram einen Gefallen zu tun, mir was zu „schenken“ … O-Ton: „Ich lasse dir alles da und du reagierst so. Wenn du das Sofa und die Techniksachen nicht willst, verschenke sie.“ HÄ???

Nur mal so zum Mit-drüber-Nachdenken

Er betrügt mich, wird von mir rausgeschmissen – und ICH soll mich für MEINEN Neustart über diese „Geschenke“ freuen? ICH soll mich darum kümmern, dass sein ganzes Gelump die Wohnung und den Keller verlässt? Gedankenendlosschleife: Was stimmt denn mit dem nicht? Ein paar Stunden später feiert er sich und sein #newlife auf Instagram. Hashtaggt was von #umzugschaos. Nee, das Chaos habe ICH. Eben weil sein ganzer Kram hier noch rumsteht. Muuuuuaaaaah!!! Jetzt geht’s halt doch nur mit Anwalt. Damit er endlich seinen Teil der Wohnung kündigt (ist natürlich immer noch nicht geschehen) und WIRKLICH final seine Möbel abholt.

Der Tag vorm Auszug – und die WTF-Momente von „trotzdem“

So blöd kann doch kein Mann sein ...

Ich tobe durch die Wohnung, schmeiße seine letzten Habseligkeiten auf den Esstischberg, schreibe seine Mitnahmeliste. Dabei rette ich ein paar Sachen, die für mich NOCH wichtig sind. Beispielsweise das Fotobuch, das ich ihm im ersten Jahr zu Weihnachten gestaltet habe. Titel: „Das Beste“. (Sorry, Silbermond, ich wusste es damals nicht besser …) Ein Bild, das ich ihm mal geschenkt habe. Die Pässe der Wuschel. Und irgendwann fällt mir ein schwarzes Buch in die Hand … Ach, guck, er hatte auch mal Liebeskummer. Hat sich vor 20 Jahren als Kerl die Seele aus dem Leib geschrieben. Von seiner Traumfrau fantasiert. Nicht gepflegte Freundschaften beklagt.

Ich schicke ihm eine Update-Nachricht zu seinem Auszug, bringe Schlüssel und Übergabeliste weg. Er antwortet irgendwann, ich solle ihm ein Foto der Liste schicken. Bitte, danke. WTF? Gelesen, weggeklickt. Ein paar Stunden später die nächste Nachricht: „Wenn du da bist, wünsche ich dir (trotzdem) viel Spaß bei Fury auf der Loreley. Morgen wirst du denke ich mal nicht dabei sein!?“ Und wieder: WTF? Gelesen, mit Freundin den Kopf geschüttelt, gedacht „Was stimmt mit dem eigentlich nicht?“, Achseln gezuckt, weggeklickt, Krönchen gerichtet, weitergefeiert.

Selbstüberschätzung wird überschätzt

Mal ehrlich: Woran liegt es, dass sich Männer so unglaublich selbst überschätzen? Ich meine: Sein Fremdgehen ist vor mehr als fünf Wochen aufgeflogen. Alles, was er sich danach geleistet hat, hat nicht gerade zum Entspannen und Beruhigen der Situation beigetragen. Natürlich kann ich mir auch nach dieser Zeit schönere Situationen in meinem Leben vorstellen, als betrogen zu werden. Aber DIE Rolle, die er sich selbst zuschreibt, spielt er einfach nicht mehr. Die Bindungshormone sind längst abgebaut, Vermissensgefühle sind auch nicht mehr da. „(Trotzdem.)“ Meine Güte! Was soll das überhaupt heißen? Trotz seines Betrugs? Trotz der Trennung? Weil er – oooooooh! – nicht dabei ist? Weil er morgen endlich komplett auszieht?

Aus Trotzdem wird Weil

Nur zwei Wochen zuvor hätte ich dieses kleine Wort tatsächlich von allen Seiten betrachtet, auseinandergenommen, neu zusammengesetzt, mit zig Gedanken und Interpretationen gefüllt. Mit Freundinnen bis ins letzte Detail jede Bedeutungsebene diskutiert. Jetzt denke ich nach einem kurzen WTF-Moment wieder nur: „Was stimmt mit dem denn nicht? Warum lässt er mich nicht endlich in Ruhe?“ Und plötzlich weiß und spüre ich es: Ich habe Spaß, WEIL er nicht dabei ist. WEIL ich da mit einer guten Freundin bin und Tränen lache. WEIL ich andere kennenlerne. WEIL die Stimmung einfach perfekt ist, kein Ziepen im Bauch und im Herzen. Alles ist gut, wie es ist. Won’t forget this day! <3

Mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Betonmauer

„Du saßt die ganze Zeit im ICE – und bist mit Hochgeschwindigkeit gegen eine Mauer gefahren. Volle Zerstörung. Im Schock handelst du nicht rational.“

Ich werde wach. Draußen ist es noch dunkel. Ein Blick aufs Handy zeigt: 4.23 Uhr. Ich könnte mich noch mal umdrehen, nur für ein halbes Stündchen. Aber der Körper ist sofort auf Alarm gepolt. Ich zittere, mein Herz rast. Alles total unkontrolliert. Vor zwei Wochen … Das hämmert mir ständig durch den Schädel. Und mein Körper reagiert direkt. Das an der Tanke besorgte Brötchen bahnt sich sofort den Weg nach draußen. Gegen 8 gebe ich auf … Ich will nur noch schlafen. Lege mich ins Bett, Marie kommt zu mir. Mache die „verschriebenen“ Atemübungen. Dieser verdammte Schmerz bleibt. Aber ich nicke ein. Eine Stunde später ist zumindest dieses beängstigende Herzrasen weg. Ich kann aufstehen und bin nicht mehr gar so wacklig. Arbeiten fällt trotzdem schwer. Kann mich nicht konzentrieren, meine Gedanken schweifen immer wieder ab.

Im Schock ist Rationalität nicht möglich

Ich schaue mir Bilder an, lese seine E-Mails. Wühle mich durch Blogs und Foren. Und denke immer wieder: „Hätte ich so cool sein müssen, meine Entdeckung zu verschweigen? Hätte ich nicht besser weiter heimlich mitlesen müssen? Können? Um quasi aus dem Hinterhalt um ihn zu kämpfen?“ Diese Fragen stelle ich ein paar Stunden später meiner besten Freundin. Sie hätte es auch nicht gekonnt. Der Zweifel bleibt. Aber auch das Wissen: So cool könnte ich niemals sein. Wie sagte gestern der Therapeut: „Du saßt die ganze Zeit im ICE – und bist mit Hochgeschwindigkeit gegen eine Mauer gefahren. Volle Zerstörung. Im Schock handelst du nicht rational.“

Frage meinen Vermieter, ob die Wohnungskündigung und die Schlüssel bei ihm angekommen sind. Nein, immer noch nicht. Und nahezu eine Woche seit Aufforderung dazu ist vergangen. Warum tut er das? Muss ich mir fürs Wochenende Sorgen machen? Komme ich am Sonntag in eine leergeräumte Wohnung zurück? Diese vielen Fragen, die Ohnmacht – das alles bringt mich noch um. Kein Lebenszeichen, keine Nachricht von ihm. Schweigen. Möchte ihn gern fragen. Will eigentlich doch nicht. Darf auch nicht.

Gedanken drehen einen Looping nach dem anderen

Und immer wieder dieses Gedankenkarussell. Den ganzen verdammten Tag. Denkt er an mich? Vermisst er mich auch ein bisschen? Oder hat er mich tatsächlich wie einen alten Socken weggeworfen? Kann er sich vorstellen, wie es mir geht? Denkt er manchmal an die beiden Puschel? Socke leidet jedenfalls auch … Er frisst kaum, zieht sich in dunkelste Ecken zurück, ist den ganzen Tag weder zu sehen noch zu hören. Er hat genauso schlimmen Liebeskummer wie ich. Das Schlimmste: Gerade habe ich kaum Kraft und Energie, mich um MICH zu kümmern. Mein Herz blutet.

Mir fehlen unsere Rituale. Jetzt würden wir beispielsweise im Bett liegen, noch eine Folge „Friends“ gucken, ich kuschele mich auf seinem Bauch zusammen, genieße seinen gleichmäßigen Atem, den Arm auf meinem Körper, sauge die Ruhe und Vertrautheit in mich ein … Stattdessen verzögere ich alles. Nur nicht allein ins Bett gehen …

Nach Fremdgehen versuchen, die Welt wieder klarer zu sehen

Ent-Täuschung ist nur das Ende einer Täuschung.

Zeit für Hilfe von außen, also für professionelle Hilfe. Von jemandem, der uns nicht kennt und die Geschichte objektiv einschätzt. Irgendwie will ich verstehen und die Welt wieder ein bisschen klarer sehen. Knapp zwei Stunden dauert das erste Gespräch – und der Erkenntnisgewinn ist verblüffend: Ich soll keine Fehler für seinen Betrug, sein Fremdgehen bei mir suchen, mit dem Rausschmiss hätte ich spontan und aus dem Gefühlschaos heraus reagiert, weil ich in eine Überraschung hineingerannt bin, die mich eiskalt erwischt hat.

Von der Täuschung zur Ent-Täuschung

Als mittleres Kind kann er sich wie ein Chamäleon anpassen. Aus dieser Rolle heraus UND als Verkäufer ist er darin trainiert, Dinge glatt zu machen, sich positiver darzustellen, sein wahres Ich zu verstecken. Meine Psyche erlebt jetzt genau diese Täuschung: Die Seiten, die ich gerade an ihm entdecke, hat er bisher gut verschleiert, denn ein Verkäufer schafft immer eine unauffällige, angenehme Atmosphäre.

Warum ich vor zehn Jahren attraktiv auf ihn gewirkt habe: Am Anfang war er ein bisschen auf der Jagd nach mir. Eine Beziehung mit mir aufzubauen, war unkompliziert und gut möglich (im positiven Sinn). Trotzdem ist er direkt nach dem Zusammenziehen in eine passive Beziehungshaltung geschlüpft. Gesprächen ist er aus dem Weg gegangen, der Motor zur emotionalen Vertiefung fehlte komplett. Was er an mir unattraktiv gefunden hat/findet: Ich wollte mehr Aktivität, bin die Aktivere. Und ich bin kein Schlussmacher, sondern versuche, Dinge zu klären, Kompromisse zu finden, lege dabei auch den Finger in Wunden. Das ist für ihn in seinem passiven Beziehungsverhalten unangenehm.

Meuterei im auf Sand gebauten Beziehungshaus

Die Beziehung zwischen uns war nicht ausgeglichen – allein vom Bildungsniveau her. Dann ich seit vielen Jahren erfolgreich selbstständig, er war zwischendrin lange arbeitslos – eine Zeit, in der ich für Miete und Essen gesorgt habe. Ich war quasi die Führungskraft (High Performer) und habe die Meuterei, die sich im Hintergrund durch ihn (Low Performer) anbahnte, gar nicht mitbekommen. Stichwort: Verkäufer – die können einfach besser schauspielern. Während ich also noch in einem Liebes-Hochgeschwindigkeitszug saß, habe ich ihn auf seinem Parallelgleis nicht mitgezogen und die erstbeste Weiche – also die Next – hat ihn umgeleitet. Durch die Jobs bei der Sportarena und bei Saks hatte er im Gegensatz zu mir ständig neue Umgebungen und wurde angeflirtet. Das war seine Vorteilssituation, ohne dass er etwas dafür tun musste. Hätte er die beiden Jobs nicht gehabt, wäre es (erst mal) nicht so weit gekommen.

Im Grunde habe ich in einer WG mit meinem kleinen Bruder gelebt, der lieber mit seinen Modellen spielt, als sich mit mir auseinanderzusetzen. Ich habe ihm Sicherheit gegeben, aber trotzdem ein Beziehungshaus auf Sand gebaut, dass durch einen heftigen Regen weggespült wurde. Er hat in den vergangenen Jahren nur konsumiert, ohne zu wissen, was er genommen hat.

Nach Schock und Trauer kommt Wut

Aktuell bin ich immer noch in der Schock- und Trauerphase und muss in die Wutphase gebracht werden. Jeden Tag soll ich eine Stunde Sport machen (um mich mal wieder richtig zum Schlafen zu kriegen), bei jeder Schockwelle Atemübungen machen, auf ein Kissen einprügeln, im Kopf auf Single schalten, mir gezielt Flirtsituationen suchen. Und mir immer wieder sagen: Wäre ich mir der kompletten Situation bewusst, würde ich keine Nachricht von ihm erwarten.

Und: kein Kontakt zu ihm. Selbst wenn er seine Möbel abholen will und deshalb schreibt. Der Therapeut meinte: „So wie ich dich einschätze, würdest du da garantiert sofort springen. Nein, du reagierst auch darauf nicht. Erst mal auf gar nichts, bis wir dich in die Wutphase geholt haben.“

 

Wie lange kommt man eigentlich ohne Schlaf aus?

Aufs Wasser starren beruhigt immer.

Tag 3 also. 48 Stunden wach. Der Hals ist immer noch wie zugeschnürt. Die Augen knallrot. Vom Wachsein und Dauerheulen. Die Nacht habe ich genutzt, um auf seinem iPad und seinem Rechner alle Bilder von gemeinsamen Erlebnissen und den Katzen zu löschen. Wenn er mich schon Knall auf Fall aus seinem Leben radiert, dann doch bitte richtig. Sehen wir es einfach mal als gute Tat. Schließlich habe ich ihm Arbeit abgenommen, Zeit gespart.

Unvorsichtigerweise verlasse ich das Haus. Zeitgleich mit dem Vermieter, der mein neues Schloss besorgt. Zwischen Gang zum Büdchen und zurück liegen vielleicht zwei Minuten – da sehe ich sein Auto auf dem Parkplatz. Zeitgleich kommen wir vor der Haustür an. Kurzes Gerangel. Nachbarn kommen mir zur Hilfe. ER SOLL NICHT MEHR IN DIE WOHNUNG! Irgendwann füge ich mich trotzdem.

Liebe, Glaube, Hoffnung

Und wir reden. Ich tränenüberströmt. Frage, warum er zehn Jahre einfach in die Tonne tritt. Warum er nicht mit mir darüber geredet hat, was ihn an mir und der Beziehung stört. Flehe ihn an, uns noch eine Chance zu geben. Bin ein Häufchen Elend. Bitte, bettle. Voller Unverständnis. Voller Hoffnung. Voller Glauben, dass doch wieder alles gut wird, gut werden kann. Denn – so sagt er: Tief drin hat er noch Gefühle für mich, ich solle kämpfen, für mich sprechen die inneren Werte und die zehn Jahre, die Next liebt er zwar nicht, aber da ist etwas anderes. Wir umarmen uns – das fühlt sich so wunderbar vertraut an. Ach, menno …

Am Nachmittag versucht ein Freund, mich abzulenken. Das gelingt nur so mittelgut. Immer wieder wandern meine Gedanken zu ihm, der, als ich ging, schlafend auf der Couch lag. Am Abend reden wir noch mal. Und anscheinend habe ich mittags alles falsch verstanden. Also zurück auf „Schluss“, er will bis zu seinem Auszug eine WG. Wenn ich nur diese Gedankenachterbahn stoppen könnte …

Vom Reden zum Schreiben

Ich schreibe ihm eine Mail:

„Ich verstehe nicht, warum du mich jetzt so kaltherzig abservierst. Ich zumindest stehe immer noch zu meinen Worten, dass ich an der Beziehung arbeiten möchte – wenn von deiner Seite noch mehr Gefühle als bloße Erinnerungen da sind. XX und XX hatten nach elf Jahren Beziehung auch so eine Phase. Da sind beide für ein halbes Jahr auseinandergezogen und haben sich wieder zu Dates getroffen. Das Konzept finde ich ganz gut. Voraussetzung ist natürlich, dass beide die Arbeit an der Beziehung wollen. Ein Zweigleisigfahren geht dann wirklich nicht. Das nimmt uns beiden nur Kraft und Zeit. Und hilft auch nicht, neues Vertrauen aufzubauen. Dafür bin ich mir auch wirklich zu schade. Ich war in den zehn Jahren immer für dich da – und du für mich. Ich habe mich sicher und geborgen bei dir gefühlt. Wahrscheinlich erschreckt mich deine Kälte gerade deshalb umso mehr.“

Seine Antwort kommt prompt:

„Nun, ich bin nicht sonderlich stolz auf das, was ich gemacht habe. Niemand hat es verdient, betrogen zu werden. Was hier passiert, war nicht direkt deine Schuld. Das ist in mir passiert.“

Aus. Schluss. Vorbei. Neue Kräfte sammeln. Wenn es nur so einfach wäre. In der Nacht habe ich einen kompletten Zusammenbruch. Will nur noch weg. Am liebsten weit weg. Aber auf jeden Fall raus. Die Nacht verbringe ich an meinem See. Sitze auf einer Parkbank und starre aufs Wasser. Innerlich schreiend. Äußerlich stumm. 72 Stunden wach.

Blockaden und ein komisches Spiel nach unbekannten Regeln

Weggeworfen, ausgelöscht, zerstört. Von einem Tag auf den anderen. Einfach so. Mal eben. Ist das noch normal?

Geschlafen: keine Minute. Getrunken: viel zu viel Kaffee. Und abends Wein, um den Schmerz zu betäuben. Geraucht: wie ein Schlot. Gegessen: nichts. Es mag komisch klingen, aber ich habe einfach keine Kraft zum Schlucken. Viel, viel zu anstrengend. Und trotzdem kann ich mich kaum aus dem Bad wegbewegen. Kotze mir im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Sinke danach erschöpft an den Wannenrand. Starre Löcher in die Luft. Zittere wie Espenlaub. Schließe mich in der Wohnung ein, stelle die Klingel ab, blockiere ihn auf allen Kanälen. Einfach nichts hören, nichts sehen. Nur trauern, weinen, im Leid suhlen.

Wütend auf ihn, mich, Gott und die Welt

Tigere immer mal wieder zwischen meinem und seinem Büro hin und her. Lese eine SMS von ihm an sie: „Doreen hat unsere Gespräche gelesen und mich zum Teufel gejagt. Ich soll bei dir schlafen.“ Ihre Antwort: „Krass.“ Lese, was er und sein Freund schreiben (wieso komme ich da eigentlich noch ran?) – und kriege die Nachrichten weitergeleitet. Eine Tasche mit Klamotten und Rasierzeug packen? Klar, kriege ich hin. In den Keller soll ich alles stellen? Öhm, ja, kann ich machen.

Wie in Trance werfe ich tatsächlich alles Mögliche in die große Reisetasche. Wuchte sie die Treppe runter. Werde wach und bleibe vor der Wohnungstür wie angewurzelt stehen. Bitte, was tue ich da? Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein? Ich werde richtig, richtig wütend. Auf die Situation, auf ihn, auf mich, auf Gott und die Welt. Nein, so lasse ich mich nicht behandeln! Ich bin mehr wert als das! Soll er doch sehen, wie er an seine Sachen kommt! Und wenn er mich nach zehn Jahren nicht mal eines klärenden Gesprächs als würdig erachtet: Warum soll ich noch dafür sorgen, dass er was zum Anziehen hat?

Heute eskaliere ich mal richtig …

Lese, was sein Freund mir schreibt. Erst gibt es angeblich keine Neue, dann ist von ein bisschen Geflirte die Rede. (Echt ungünstig, dass das Chat-Protokoll eine ziemlich deutliche andere Sprache spricht.) Und er hätte sich in einer Pension einquartiert, weil er eine Eskalation befürchtet. Hallo, soll ich Verständnis für sein Fremdgehen heucheln und ihn in Wattebäuschchen packen???

Abends rede ich mit den Vermietern. Seinen Teil der Wohnung soll er kündigen, wegen der Härtefallsituation käme er sofort aus dem Mietvertrag raus. Am nächsten Tag soll das Wohnungsschloss gewechselt werden. Puh, ein wenig Erleichterung macht sich breit. Die nur kurz anhält, denn ein Freund erzählt mir, dass er seinen Facebook-Status schon auf „Single“ gestellt und alle Fotos mit mir gelöscht hat – weggeworfen, ausradiert, zerstört. Einfach so. Mal eben. Von einem Tag auf den anderen. Ist das noch normal?

Die Bombe platzt und legt (m)eine kleine heile Welt in Trümmer

Das Lesen des WhatsApp-Chats zwischen Natalie und Holger ist wie ein Autounfall.

Donnerstag, 12. Juli 2018. Irgendwann zwischen 8 und 9 Uhr. Ich zupfe dem Liebsten ein paar graue Brusthaare raus. Wie sieht es schließlich aus, wenn die aus dem T-Shirt-Ausschnitt rausgucken? Immer noch Donnerstag, viele Stunden später. Ein Buch ist fertig lektoriert – und an den Verlag geschickt. Das nächste Projekt wartet. Ich mache mir schnell einen Salat, leite eine Mail an den Liebsten weiter, um PDFs auszudrucken, wecke dessen Rechner aus seinem Schlaf, warte ein bisschen, nehme das aufgerufene WhatsApp-Fenster wahr und bleibe bei den Worten hängen: „krankgeschrieben und vögele mit dem Chef“. Moment mal …

Wenn Lesen zum Autounfall wird

Und dann ist es wie bei einem Autounfall: Ich fange an zu lesen, bin geschockt, rufe eine Freundin an. Während sie auf mich einredet, nicht weiterzulesen, bin ich im Unfallmodus. Ich will nicht hingucken, nicht lesen. Mache es aber doch. Scrolle weiter. Und weiter. Und weiter. Heule. Telefoniere. Beantworte Fragen – irgendwie. Scrolle. Lese. Bin fassungslos. Will IHM das sagen. Und habe die mahnende Stimme meiner Freundin im Ohr. Die trotzdem längst zu einem Rauschen geworden ist. Mahnend? Ja. Einhalt gebietend? Ja. Verstehe ich ihre Worte? Nein!

Entsetzt schreibe ich eine Facebook-Nachricht. An ihn. „Ich lese gerade deine Nachrichten mit N und bin einfach nur FASSUNGSLOS!!! Du Arschloch. Bleib am besten heute Abend gleich bei ihr, hier ist Schicht im Schacht.“

Lese danach weiter. Moment mal? Er hat SIE mit MEINEM neuen Auto zum Date abgeholt? WTF? Die Gespräche mit Freundinnen sind nur Grundrauschen. Geschockt tingele ich zwischen seinem und meinem Büro hin und her. Will weiterlesen … Und doch auch nicht … Nächste Message abgesetzt … Irgendwann sehe ich, dass er online war. Und garantiert meine Nachrichten gelesen hat. Reaktion? Keine. Nix. Nullkommanull. Spreche ihm auf die Mailbox, dass er nach Hause kommen und mit mir reden möge. Wieder nix.

Nicht reden war schon immer seine liebste Lösung

Seine Antwort kurz nach Feierabend per Messenger: „Ok. So sollte das eigentlich nicht enden. Schonender für dich. Ich könnte nun auch auch auf Vertrauensbruch zurückschreiben. Ich will aber nicht mit dir streiten.“ Und als Nächstes: „Ich komme später heim und werde mich verziehen. Ich weiß nicht, ob wir ein Wort wechseln werden. Wohl aber nicht. Wenn du mich beschimpfen wirst bitte nicht.“

Das Schlimmste: mehr nicht. Ach, stimmt so auch nicht … Ein paar Nachrichten fliegen über den Messenger hin und her. Gefühle wären tief in ihm drin noch da, sicher ließe sich was retten, Dinge wären verschlissen, aber die ließen sich ja ausbessern, Vertrauen kam zur Sprache. Dass ICH IHM ja nicht mehr vertraue, keinen Rat annehme (Wie soll man einem Fremdgeher und Betrüger auch vertrauen? Denkt er echt so verquer?). Irgendwann wird das Geplänkel beendet durch: „Bitte leg mir mein Bettzeug nach unten. Ich werde im Wohnzimmer schlafen. Wann ich gleich heim komme, weiß ich noch nicht. Vielleicht schläfst du dann schon. Morgen früh könnten wir frühstücken und drüber reden wenn du magst.“ Auf meinen Kommentar „Als ob ich schlafen könnte … Wann bist du eigentlich so herzlos geworden? Bitte fahr zu ihr und schlafe da“, reagiert er nur mit: „Gerade ist mir schlecht und ich bin ziemlich fertig im Kopf.“

Nee, ist klar. Mir geht es so blendend, dass ich ins Bett gehe und schlafe, als ob nie was gewesen wäre. Als ob nicht MEINE WELT gerade in Trümmern liegt. Als ob ich nicht gerade ein paar Tage zuvor zu einer Freundin gesagt hätte: „Meinen Freund würde ich nie betrügen. Ich liebe ihn abgöttisch.“

Finger weg von falschen Freunden

Irgendwann setze ich mehrere Notrufe ab. Sage meiner Mutter den Geburtstagswochenendbesuch ab. Lasse mich auf Facebook trösten und mir Mut zusprechen. Frage seinen „besten Freund“, ob er das von der Neuen wüsste. Genau dem Freund, der vor nicht allzu langer Zeit selbst betrogen wurde. Der heulend hier auf der Couch saß – und mit mir gesprochen hat. Nicht mit ihm. Für den ich mit seiner jetzigen Exfrau geredet habe, um die Lage zu sondieren. Der mir ewig lange Chatprotokolle seiner Ex schickte und sich virtuell und real darüber ausheulte. Bei mir. Nicht bei ihm. Antwort erst mal: „Nein.“ Dass er für mich kein Freund ist, sollte ich am nächsten Tag spüren: Hier so, dort so reden und schreiben, mich aushorchen wollen – ähm, nein. Und tschüss …

Der Salat steht immer noch da. An Essen ist nicht zu denken. An Schlaf auch nicht. Er kommt nicht heim.